Jorvik [York]

Logbucheintrag Y103, Ortszeit 20:20
Ort: National Express Coachway in der Nähe von Milton Keynes

Es ist kalt. Kalt in diesem futuristisch angehauchtem Glasgebäude mit einer viel zu hohen Decke. Mit jedem Öffnen der Türen kommt ein neuer Schwall der eiskalten Außenluft in das Gebäude. Und die Türen öffnen sich oft. Sehr oft. Denn dies ist einer der Knotenpunkte des National Express Coachbus-Netzwerkes. Hier wechseln Menschen den Bus, kommen vom anliegenden car park oder von den angrenzenden Öffentlichen Verkehrsmitteln um hier schließlich auf einen der zahllosen Coachbusse zu warten.

Dies ist nicht mein erster Aufenthalt hier. Bereits gestern machte ich in diesem Gebäude einen Zwischenstopp auf meiner 5 ½ stündigen Reise nach York.

York – eine Stadt die in ihrer Geschichte viele Besitzer hatte. Eingenommen von Römern, Anglo-Sachsen, Normannen und Wikingern und schließlich wieder von Anglo-Sachsen. Sie ist schöner als früher – zumindest wenn man den Bildern und Nachbildungen im Jorvik-Viking-Centre Glauben schenken darf. Das Jorvik-Viking-Centre wurde über dem archäologischen Fund einer alten Wikinger-Siedlung gebaut, die während des Baus eines Bankengebäudes entdeckt wurde. Super erhalten durch die meterhohe Erdschicht, die sie bedeckte. Basierend auf den Ausgrabungen wurde ein Teil der Siedlung nachgebaut. Mit Hütten, Wachsfiguren, einem Schienensystem auf dem man in kleinen Wägen durch die Hütten fährt und den dazugehörigen Gerüchen! Ja Gerüche. Und es roch wirklich nicht gut in dieser Zeit!

Aber genug von Wikingern. York hat auch noch andere (und schönere) Sehenswürdigkeiten zu bieten. Allem voran natürlich ein Castle, von dem allerdings nur noch der Bergfried übrig ist, und davon nur die Außenmauern. Dafür gibt es ein Castle Museum, das wirklich sehenswert ist! Dieses führt durch ein halbes Jahrtausend an Geschichte und hat sogar einen Nachbau einer Straße Yorks aus dem viktorianischen Zeitalter – inklusive verkleideter Mitarbeiter, die ein wenig das damalige Leben nachstellen und einem alles Mögliche erklären. Sehr schön gemacht.

Dazu gibt es noch große Teile der gut erhaltenen Stadtmauer Yorks, das Münster und einige altertümliche Straßen, wie etwa die „Shambles“. Zu den neueren Attraktionen gehören dann das York Wheel – die Engländer stehen wirklich auf Riesenräder -, das National Rail Museum – da ich vor meiner Abreise noch 2 Stunden Zeit hatte, habe ich das auch gleich noch angeschaut – und das „York’s Sweet Story – Chocolate House“, aus dem ich gleich nach Betreten auch schon wieder geflüchtet bin, da der Schokoladengeruch schlimmer war als im M&M World in London! (Wobei wir wieder bei Gerüchen wären.)

Gut gerochen hat es dagegen in dem kleinen italienischen Restaurant namens „Bari“, das ich in den Shambles gefunden hatte. Hier hatte ich aber auch eine sehr interessante Erfahrung, was das Anpassen ausländischer Gerichte an die lokalen Geschmäcker angeht. Auf meinen Spaghetti Carbonara war nämlich nicht nur Speck, sondern auch Wurstscheiben zu finden. Und wer die englischen Würste kennt, weiß was ich meine! Hat aber trotzdem sehr gut geschmeckt!

Die Nacht habe ich in einem tollen, familiengeführten Bed & Breakfast verbracht. Das Zimmer war zwar winzig (ich frage mich, wie die ganzen Möbel da hinein gebracht wurden), aber en Suite und hatte alles was man brauchte, sogar einen kleinen Fernseher. Dazu war es warm (etwas, das ich in meiner Zeit in England sehr zu schätzen gelernt habe) und es gab ein leckeres (gekochtes) Frühstück.

Um das ganze Wochenende abzurunden, hatte ich auf der Heimfahrt noch etwas körperliche Ertüchtigung. Da ich an der Raststätte etwas länger auf mein Essen von einer bekannten Chicken-Fast-Food-Kette warten musste, wurde ich schon ziemlich nervös. Als ich mein Essen endlich in den Händen hielt, bin ich erst einmal nach draußen geeilt und habe einen National Express Mitarbeiter gefragt, wann denn der Bus weiter fahren würde und wie viel Uhr es denn sei. Dieser meinte nur seelenruhig, dass wüsste er nicht, aber der Bus hinter mir würde gerade losfahren!
Ich glaube so schnell bin ich in meinem Leben noch nicht gerannt! Die Pommes konnte ich noch irgendwie in den nächsten Mülleimer werfen, aber das Hähnchenfilet in meiner Hand ist im hohen Bogen und unbekannter Flugbahn davon geflogen, während ich händewedelnd hinter dem Bus her rannte – und dieser zum Glück noch einmal anhielt!
Nach diesem Schock hatte ich auch erst mal keinen Hunger mehr!

Ich entschuldige mich im Nachhinein für diese Verschwendung von Lebensmitteln! (aber im Bus durfte ich das leider nicht essen…)

Zum Schluss gibt es natürlich wieder ein paar Bilder!

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