„Geh’n wir kurz nach Mexiko…“

Jan Kurzendörfer

„Sind wir schon mal da, gehen wir auch gleich nach Mexico“ war der naheliegende Gedanke. Das Ziel: Tijuana, eine Stadt wo wohl viele reichen Ami-Kids hinfahren um sich mal übers Wochenende abzuschießen (In den USA gibt es erst ab 21 Alkohol, und man muss z.T., bis man älter als 40(!) aussieht, den Ausweis zeigen). Kurz vor der US-Mexikanischen Grenze haben wir unser Auto auf einem Parkplatz gestellt (, der nur während des Einkaufs benutzt werden darf), weil wir für den „7$ Park and walk to Mexico“-Parkplatz zu geizig waren und sind einfach so nach Mexico gelaufen… Es war wirklich so einfach. Es war nicht mal wirklich ersichtlich wann jetzt denn genau der Wechsel stattgefunden hat. Zurück gab es eine unendlich lange Schlange, die wir erst mal nicht weiter beachten wollten, dazu später mehr.

Die Optik USA/Mexico ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die Verkäufer, Bus- und Taxifahrer sind genauso aufdringlich wie man es aus den arabischen Ländern kennt… Bei den Ladenbesitzern ist es noch halbwegs verständlich, denn wer nur Schrott verkauft, der muss halt irgendwie Kundschaft ran schaffen.

Dazu spürt man die Armut des Landes. Die Autos sehen schlimmer aus als bei uns auf dem Schrottplatz, die medizinische Versorgung ist offensichtlich schlecht, denn ich hab selten auf einem Fleck so viele Menschen mit fehlenden Gliedmaßen gesehen.

Trotz der Prognose des ersten Taxifahrers, dass es unmöglich ist ohne ein Taxi oder zumindest einen Bus überhaupt in Richtung Stadt zu kommen, haben wir das durch eine unfassbare Meisterleistung von einem 10 minütigem Fußweg doch geschafft. Die Aufdringlichkeit der Ladenbesitzer an den Hauptstraßen hat kein bisschen nachgelassen. Das Ziel einen Cocktail am Strand zu trinken haben wir allerdings bald begraben.

Unglaublich ist auch, dass obwohl der größte Teil des Verkaufs an Touristen stattfindet, mal abgesehen von den Taxifahrern, kaum jemand englisch versteht, geschweige denn spricht. Zusammenfassend kann man da sagen: in Tijuana versteht dich keiner und der Rest haut dich übers Ohr“.

So haben wir dann an einem Grillstand-Typ, der auf offener Straße Fleisch auf den Rost gehauen hat, einen Tacko bestellt, weil außer durch Rumgefuchtel war kein Informationsaustausch möglich… und bei dem Wort konnte man sich wenigstens was darunter vorstellen. Zum Essen wars auch eine Sauerei, hat aber überraschend gut geschmeckt.

Auf dem Rückweg wollten wir wenigstens den Cocktail noch einnehmen und sind darum in ein Restaurante/Bar- Dings gegangen. Der Kellner (außer Rumgefuchtel war kein Informationsaustausch möglich) hat dann für uns nachdem er es einfach mal mit der Speisekarte versucht hat – zugegeben, es war erst 11:30, da ist das möglicherweise naheliegender – und bei drei weiteren Malen immer noch nix kapiert hat, plötzlich doch noch jemand englischsprachiges aus dem Team gefunden. Zwei Magaritas bestellt und eingenommen, das ging wieder unproblematisch.

Soweit so gut… leider wird der Rückweg beschwerlicher. Den Weg zurück zum Bus und Taxi-Depot hatten wir schnell, dann war da aber noch die Schlange, die anfänglich kurz erwähnt wurde. Die war nämlich geschätzt über einen Kilometer lang. Zum Glück kam da ein Mexikaner mit der Rettung um die Ecke. Für nur 5$/Person würden wir im Shuttlebus über die Grenze kommen und könnten die Schlange so umgehen. Das natürliche Misstrauen vor solchen Angeboten wurde etwas gemildert durch das bohrende Gefühl im Hinterkopf, dass das Auto wahrscheinlich abgeschleppt wäre bis wir durch die Schlange wieder zurück kämen. Man wurde an irgendwelchen Betonmauern zu einem Bus geführt. Innentemperatur: gefühlte 10°C.

>>fast forward>>

Nach 2,5h und insgesamt nur ca. 100m Fahrweg wurden alle Businsassen von außen in das Grenzgebäude geleitet, wo dann die Passkontrolle noch durchgeführt wurde. Das ungute Gefühl was wohl mit unserem Auto in der Zwischenzeit passiert ist (in dem Übrigends ALLES drin war, außer den Pässen und 30$ Cash) ist in den knapp 3h Wartezeit leider nicht besser geworden. Also ging es mit leichter Panik zurück Richtung Parkplatz.

Das Auto war noch da… wir haben uns dann doch ziemlich gefreut aber beschlossen, dass wir das nächste mal lieber die paar $ zahlen als sowas.

Bottom line des ganzen: Mexico war schon ganz nett und die Erfahrung definitiv Wert, aber das ewige Warten bei der Rückeinreise und die unfassbare Dreistheit der abzockenden Mexikanern an der Grenze verpassen dem ganzen dann doch einen gewaltigen Dämpfer.

Im Anschluss sind wir dann noch 6 Stunden in Richtung Phoenix weitergefahren, haben Arizona auch noch erreicht… Phoenix jedoch nicht mehr ganz.

 

(KU)

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